Les frères Lumière

Filmblog

I Saw the Devil

악마를 보았다 [Akmareul boatda]

Bewertung:  8 ½ / 10

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(Kindes-)Vergewaltigung, Folter, Kannibalismus – Kim Jee-woon's „I Saw the Devil“ (➔ Wiki, ➔ IMDb, ➔ Moviepilot) ist nichts für sanfte Gemüter. Die Beschreibung “Torture Porn“, die ich im Vorfeld einmal las und die mich dann doch fast davon abgehalten hätte, den Film anzuschauen, ist gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Zumindest den Begriff Porn muss man allerdings in Anführungsstriche setzten. Zwar müssen wir zu Beginn ertragen wie die Frau des Protagonisten nackt, verängstigt und blutverschmiert auf die Rückkehr ihres Mörders wartet, explizite Vergewaltigungsszenen werden uns jedoch erspart.

Geheimagent Soo-hyun (➔ Lee Byung-hun) führt ein glückliches Leben, bis seine Frau eines Tages das Opfer eines grausamen Serienkillers (Choi Min-sik) wird. Soo-hyun ist verzweifelt und schwört Rache.

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Keine sonderlich innovative Handlung: Held schwört Rache, jagt Fiesling und im imposanten Finale bringt er ihn schließlich zur Strecke. Etwas einfallsreicher ist die Handlung des Films dann glücklicherweise doch. Schon nach ca. 45 Minuten kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Widersacher. Bei 144 Minuten Laufzeit fragt man sich da im ersten Moment doch, was jetzt die nächsten anderthalb Stunden passieren soll: Soo-hyun möchte, dass der Mörder seiner Frau so leidet wie sie es tun musste. In den folgenden anderthalb Stunden erleben wir wie er diese Vorstellung gnadenlos umsetzt und wie er dabei selbst zum „Monster“ wird.

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Wie schon in ➔ Park Chan-wook’s ➔ „Lady Vengeance“ sehen wir am Ende einen gebrochenen Protagonisten. Auch hier bringt die Rache keine Erlösung. Überhaupt erinnert „I Saw the Devil“ in vielerlei Hinsicht an „Lady Vengeance“. Der gesamte Handlungsaufbau ähnelt sich in groben Zügen.

Die tolle Kameraarbeit fängt all die Brutalität des Films in – so grausam es scheint – wunderschönen Bildern ein.

Der größte Vorzug des Films sind jedoch seine beiden phänomenalen Hauptdarsteller. Ich habe mich schon an anderer Stelle über die einmalige Leinwandpräsenz des Choi Min-sik ausgelassen. Sein jüngerer Konterpart Lee Byung-hun gibt sich über weite Strecken des Films ausdruckslos, die Szenen, in denen seine Verzweiflung durchbricht, sind allerdings unheimlich eindrucksvoll.

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Man sollte definitiv zwei Mal darüber nachdenken, ob man sich „I Saw the Devil“ wirklich anschauen möchte. Mitunter stellt sich die Frage, ob man die allzu drastische Gewaltdarstellung nicht an der einen oder anderen Stelle hätte drosseln können: Menschen werden zerstückelt, Achillessehnen durchtrennt, viele Knochen zertrümmert. Nicht ein Mal erfolgt der erlösende Schnitt.

Wer sich jedoch entschließt „I Saw the Devil“ anzuschauen, der darf sich auf einen ungeheuer spannenden, toll gefilmten und gespielten Rachefilm aus Südkorea freuen!

von Yannick

Trailer:

Lady Vengeance

친절한 금자씨 (Chinjeolhan geumjassi)

Bewertung:  8 / 10

Dreizehneinhalb Jahre verbrachte Lee Geum-ja (Lee Yeong-ae) im Gefängnis. Dreizehneinhalb Jahre, in denen sich Wut und Selbsthass unter ihrer Fassade der Gutherzigkeit aufstauten. Dreizehneinhalb Jahre, die sie damit verbrachte, einen Plan der Rache zu ersinnen.

Der Film „Lady Vengeance“ (➔ Wiki, ➔ IMDb, ➔ Moviepilot) vermittelt eine ungeheure Ausweglosigkeit. Seine Handlung wird stringent vorangetrieben. Es stellt sich nie die Frage, ob Lee Geum-ja ihr Ziel erreichen wird, ihr begegnet dabei sogar kaum Gegenwehr. „Lady Vengeance“ möchte kein Unterhaltungsfilm sein, nichts lenkt von der einen Frage ab, die sich dem Zuschauer zwangsläufig stellt: Ist dieser eiskalte und gnadenlose Akt der Selbstjustiz, der im Film von niemandem hinterfragt wird, mit meinen Moralvorstellungen zu vereinbaren?
Unabhängig von der moralischen Vertretbarkeit des Vorgehens der Protagonistin sticht am Ende des Films eine Tatsache ins Auge: das Happy End bleibt aus, die Rache bietet keine Erlösung.

Der Film ist nicht weniger brutal als „Oldboy“ oder „Sympathy for Mr. Vengeance“, seine beiden Vorgänger in Park Chan-wooks Rache-Trilogie. Er ist in der Darstellung der Gewalt aber sehr viel subtiler und spart sich Momente, die den Zuschauer zwingen, wegzuschauen. Eine erfrischende Abwechslung, gerade im Vergleich zu „Sympathy for Mr. Vengeance“, der mir mitunter doch etwas zu extrem war.
Der Film wirkt nach; gerade die Szene rund um den finalen Racheakt – überhaupt die stärkste des ganzen Films – brennt sich nachhaltig in das Gedächtnis des Zuschauers ein.

„Lady Vengeance“ ist ein optisch wunderbar durchkomponierter Film, umso befremdlicher erscheinen da einige wenige Überblenden, die den Eindruck erwecken, als hätte es einem Anfänger Spaß gemacht, ein wenig mit einem Schneideprogramm rumzuspielen. Gleiches gilt für einige Effekte, die einen möglicherweise gewollten, meiner Meinung nach aber unpassenden Trashfaktor darstellen.

Eine weitere Schwäche stellt die Off-Sprecherin dar, die in etwa so viel stimmliche Intensität mitbringt, wie die Sprecher der Kommentare von Filmversionen für Sehbehinderte. Fairerweise muss man hinzufügen, dass ich bis dato nur die deutsche Synchronfassung kenne. Allerdings hat die Off-Sprecherin auch nicht allzu oft, etwas besonders Interessantes beizutragen und verhindert eher, dass der Zuschauer den einen oder anderen Gedanken selbst entwickeln kann.

Lee Yeong-ae ist großartig als verbitterte und von Selbstvorwürfen geplagte Rächerin. Besondere Erwähnung verdient außerdem das Ziel ihrer Rache, der großartige Choi Min-sik, der mich schon in „Oldboy“ und „I Saw the Devil“ nachhaltig beeindruckt hat und dem es auch hier wieder gelingt, die wenigen Szenen, in denen er auftaucht, mit seiner einzigartigen Leinwandpräsenz auszufüllen. Neben all den starken Leistungen muss sich der Zuschauer allerdings auf die typisch exaltierte asiatische Schauspielkunst einstellen.

„Lady Vengeance“ macht es dem Zuschauer schwer, eine klare Grenze zwischen Schuld und Unschuld zu ziehen. Durch das asiatische Kino mag man gelegentlich den Eindruck gewinnen, das Verlangen nach Rache wäre eine typisch asiatische Eigenschaft. Doch gerade das Thema Kindesentführung, welches „Lady Vengeance“ aufgreift, gelangt auch in unserer Gesellschaft immer wieder zu schrecklicher Aktualität und rüttelt dabei an den moralischen Grundfesten vieler Menschen.

Park Chan-wook findet in „Lady Vengeance“ einen starken Abschluss seiner Rache-Trilogie. Zieht man den direkten Vergleich zu seinem überragenden Vorgänger „Oldboy“, dann verblasst der Film zwar ein wenig. Nichtsdestotrotz ist dem südkoreanischen Regiemeister mit „Lady Vengeance“ abermals ein höchst sehenswerter Film gelungen.

von Yannick


Lukas' Bewertung:  7 / 10


Trailer: