Les frères Lumière

Filmblog

Kurzschluss

Ein paar Worte zu Filmen vom Anfang des Jahres - ohne Überraschung. Mit dabei sind: Django Unchained, Hannah Arendt, Silver Linings, Quartett und Flight.

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Django Unchained

Quentin Tarantino

Wenn ein neuer Film von Quentin Tarantino in die Filmspielhäuser der Welt kommt, ist der Trubel so groß, wie die Erwartungen hoch. Und das ja auch zu recht, da kommt ein echter Filmfreak, ein Kenner der Filmgeschichte, dessen Werdegang, so transportiert es die Filmgeschichte, mit der Lüge begann, er habe in Godards King Lear, den ohnehin niemals jemand anschauen würde“ (Tarantino), mitgespielt. Dem es dann gelingt, Harvey Keitel für Reservoir Dogs zu begeistern, und von hier an Filmklassiker um Filmklassiker dreht. Nun, Django ist bestimmt kein schlechter Film, aber so ganz  anfreunden konnte ich mich mit ihm nicht. Sicher, der Unterhaltungswert ist groß, die Schauspieler stark, die Dialoge scharf, aber der Film war mir zu gekünstelt, auch zu lang, zu cool. Und ich weiß nicht - Tarantinos Umgang mit der Sklaverei, die Rolle der Frau… trotzdem: Tarantino ist wohl zu gut, als dass er einen schlechten Film machen könnte.

Bechdel Test: 1/3 Bewertung: 8/10 und Yannick: 8,5/10

Hannah Arendt

Margarethe von Trotta

Hannah Arendts Beschreibung der Banalität des Bösen während des Eichmann-Prozesses in Israel und der damit verbundene Eklat ist eigentlich ein sehr spannendes Thema, doch leider verliert sich der Film in einem biografischen Blick auf diesen Lebensabschnitt Arendts. Ich hätte mir mehr Theorie gewünscht, mehr von den sehr spannenden Überlegungen Hannah Arendts. Aber einmal den Trailer sehen und man weiß eigentlich alles. Was schade ist, denn Barbara Sukowa als Hannah Arendt spielt für mich mit großem Charme, und auch der Film ist im positiven Sinne deutsch, wenig gekünstelt, aber ja, etwas enttäuschend.

Bechdel Test: 3/3 Bewertung: 7,5/10

Silver Linings

David O. Russell

Mh. Ich wusste gar nicht, was mich erwartet. Im richtigen Kino bist du nie im falschen Film. Stimmt leider nicht immer. Ein großer großer Hollywood Film, bestimmt nicht ohne Charme, bestimmt nicht schlecht. Aber herjee, ein Film, bei dem man ab dem ersten Moment weiß, wie er ausgehen wird, ein Film, der auf einem Ball endet, ohjee. Wer mit sowas keine Berührungsängste hat, kann den Film aber gefahrlos gucken, auch die Darsteller überzeugen. Schlecht ist Silver Linings, nicht nur banal.

Bechdel Test: 3/3 Bewertung: 7/10 und Yannick: 8/10

Quartett

Dustin Hoffman

Schade! Das nicht gerad schmeichelnd gemeinte Wort “Seniorenfilm” käme mir nicht über die Lippen. Stört mich nicht, find ich erst recht nicht schlimm und sowieso nicht langweilig. Man denke an Young @ Heart!! Leider ist Dustin Hoffmans Debutfilm aber genau das, ziemlich langweilig und unausgegoren. Der Trailer sieht eigentlich ganz nett aus. Aber mh, mir widerstrebt diese sehr einseitige Sicht aufs Altwerden, aber gut, dann lassen wir es als Feel-Good-Movie gelten, aber der Film verheddert sich völlig, ein Spannungsbogen existiert quasi nicht. Vier alte, jetzt zerstrittene Freunde, die in einem Altenheim für Musiker leben, müssen sich für einen Gala-Abend zusammenraufen, der die Existenz des Altenheims sichern soll. Das darf man sagen: das Quartett findet natürlich zusammen, schwupps ist der Auftritt, schwupps ist alles gut und huch, der Film auch schon vorbei!? Mh.

Bechdel Test: 3/3 Bewertung: 6,5/10

Flight

Robert Zemeckis

Bei aller Hochachtung für einen Hollywoodfilm, bei dem, um es runterzubrechen, ein drogenabhängiger Pilot zum Held wird, indem er zugekokst, mit einer fliegerischen Meisterleistung ein großen Passagierflieger vorm sicheren Absturz rettet. Wohlgemerkt zugekokst, um nach einer durchzechten, mit einer Stewardess verbrachten Nacht überhaupt aus dem Bett zu kommen. Ein durchaus erfrischender Ansatz, bloß was dann in den letzten Minuten des Film passiert, ist so amerikanisch, so pathetisch und so sehr mit der Moralkeule, dass das Kino kollektiv aufstöhnte. Im richtigen Kino bist du zwar öfters mal im falschen Film, aber immerhin mit den richtigen Leuten. Zum Haare raufen!

Bechdel Test: 2/3 Bewertung: 6/10

von Lukas


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Der Bechdel Test

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Wir führen den Bechdel Test ein! Ein kleiner Test, der sein Augenmerk auf die Rolle der Frau im Film (oder jedem anderen Medium) legt. Er stellt drei einfache Bedingungen:

  1. Es spielen mindestens zwei Frauen mit,
  2. die sich miteinander unterhalten,
  3. über etwas Anderes als einen Mann.

Die Idee stammt von Liz Wallace und wurde von der Zeichnerin Alison Bechdel für den oben zu sehenden Comic-Strip aufgegriffen. So niedrig die Schwelle angesetzt scheinen mag, ein Gros der Filme fällt sang und klanglos durch, so schafft es kein einziger Harry Potter Teil, die Herr der Ringe Trilogie sowieso nicht, aber selbst ein Film wie (500) Days of Summer rauscht durch. Natürlich fällt mancher Film durch das angelegte Raster, ein Film wie Antichrist, mit nur zwei Hauptrollen, davon eine männlich oder ein nonverbaler Film wie Samsara kann die Bedingungen gar nicht erfüllen. Von den bisher in diesem Blog besprochenen Filmen lassen sich 15 Filme bewerten, nur 5 bestehen den Test, 2 davon wenig zufriedenstellend (~) - im Detail:

➔ (500) Days of Summer (Marc Webb): 1/3
➔ A Bittersweet Life (Kim Jee-woon): 2/3
➔ The Broken Circle (Felix Van Groeningen): ~3/3
➔ Children of Men (Alfonso Cuarón): 3/3
➔ Dame, König, As, Spion (Tomas Alfredson): 1/3
➔ Django Unchained (Quentin Tarantino) 1/3
➔ Drive (Nicolas Winding Refn) ~3/3
➔ Der Hobbit - Eine unerwartete Reise (Peter Jackson): 0/3
➔ I Saw the Devil (Kim Jee-woon): 1/3
➔ Inception (Christopher Nolan): 2/3
➔ Killing Them Softly (Andrew Dominik): 0/3
➔ The Master (Paul Thomas Anderson): 1/3
➔ Melancholia (Lars von Trier): 3/3
➔ Moonrise Kingdom (Wes Anderson): 3/3
➔ Super (James Gunn): 1/3

Wer schauen möchte, ob ein bestimmter Film den Bechdel Test überlebt hat, der kann in diesem ➔ Archiv nachsehen. Wen das Thema interessiert, dem sei z.B. dieses ➔ Video ans Herz gelegt. In Zukunft also jeder neu besprochene Film mit Bechdel Test!

von Lukas


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Was wir vom Kinojahr 2013 erwarten dürfen III

Kurz vor Ende des Jahres, das schlechte Gewissen im Rücken, kaum etwas für den Filmblog gemacht zu haben, hier ein kleiner Leitfaden für den interessierten Kinogänger, denn erstaunlich viele Filme, mit denen die großen und kleinen Hoffnungen verbunden, sind kommen noch dieses Jahr! Um es vorwegzunehmen: Wer sich, wie wir, auf A Most Wanted Man (Anton Corbijn!) und 12 Years a Slave (Steve McQueen!!) gefreut hatte, der sei auf Ende Januar bzw. Ende Februar vertröstet, ihr Kinostart wurde nach hinten verschoben. Und da die aktuellen Filmstarts mal wieder schneller im Kino waren, als der Artikel geschrieben war, zu Anfang vier Filme, die am 14.11. angelaufen sind - gute Woche für Filmfreunde! Also nun:

Captain Phillips

Paul Greengrass

Tom Hanks mimt den Kapitän eines Containerschiffs, der Frachter wird vor Somalia von Piraten angegriffen und gekapert. An Bord entspinnt sich ein Katz und Maus Spiel um Leben und Tod. So weit so durchschnittlich, zumal Regisseur Paul Greengrass sich vor allem mit der Bourne-Reihe (langweilig) einen Namen gemacht hat, aber der Trailer hat mich doch gekriegt. Es gibt diesen einen Moment: Die Piraten stürmen die Brücke und übernehmen die Kontrolle (I’m the captain now!!) und haben dabei eine solch unangenehme, körperliche Präsenz, sind so bedrohlich, dass ich für einen Moment ehrlich erschreckt war. Wer weiß - vielleicht versteckt sich im Gewand des amerikanischen Thrillers doch ein ein harter, realistischer Film. Wobei ich wetten würde, dass Captain Phillips erstens: den bösen schwarzen Mann ausspielen wird und zweitens: verlässlich in den letzten paar Minuten vom Pathos geschreddert wird - abwarten und hoffen! (14.11.2013)

Jenseits der Hügel

Cristian Mungiu

Wahrscheinlich einer der besten Filme des Jahres läuft leider nur in kleinen Programmkinos an, die Geschichte ist hart und traurig und der Abend nach dem Film wahrscheinlich gelaufen, trotzdem: ins Kino! (14.11.2013)

Jung & schön

François Ozon

Der Regisseur verspricht Gutes, ich tu mich ein bisschen schwer, weil ich mich frage, ob die Hauptdarstellerin Marine Vacth nicht, nun ja, ein bisschen zu jung und schön ist. Ein Film, der mir beweisen muss, dass er mehr als das vouyeuristische Verlangen des Zuschauers befriedigt! (14.11.2013)

The Act of Killing

Joshua Oppenheimer

In den 60ern wurden in Indonesien über eine Millionen Kommunisten und chinesischstämmige Indonesier getötet. Die Mörder sind heute Volkshelden, eine Aufarbeitung des Völkermordes hat nie stattgefunden. Der Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer hat zehn Jahre lang die Zusammenhänge von politisch motivierter Gewalt und kollektiver Vorstellung studiert und dann beschlossen, mit drei Mitgliedern ehemaliger Killerkommandos ein filmisches Experiment durchzuführen. Er lässt sie die Massaker nachstellen, macht aus ihnen Opfer, führt ihnen vor Augen, was sie damals getan haben - womit sie sich heute brüsten. Ein bestimmt nicht leichter Film, aber ein Muss. (14.11.2013)

Venus im Pelz

Roman Polanski

Der Film ist eine Adaption des Theaterstücks von David Ives, das auf der bekannten, gleichnamigen Novelle von Leopold von Sacher-Masoch beruht, Polanskis letzter Film, Der Gott des Getmetzels war sehr gefällig und spaßig anzuschauenen, aber für mich mit dem Austreten in die kalte Abendluft fast schon wieder vergessen. Aber wer weiß - ein Kammerstück von zwei Personen im Spiel von Unterwerfung und Macht, Sexualität und Geschlechterrollen - könnte spannend werden, der Trailer: Najaaa. (21.11.2013)

Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern

Peter Liechti

Irgendwann begegnet Peter Liechti seinem Vater zufällig auf der Straße und beide wissen nichts recht miteinander anzufangen, ein unangenehmer Moment, also beschließt der Filmemacher, seine Kamera im Anschlag, das Elternhaus zu besuchen. Entstanden ist eine intime Dokumentation, über das Verhältnis des Regisseurs zu seinen kleinbürgerlichen Eltern, und zwischen der Mutter und dem patriarchalischen Vater. Liechti hat den erschreckenden wie großartigen Film Das Summen der Insekten: Bericht einer Mumie gemacht, man darf also viel erwarten! (21.11.2013)

Blancanieves

Pablo Berger

Ein Stummfilm, ein spanisches Schneewittchen, surreale schwarz-weiß Bilder, die Kritik begeistert, viel mehr will ich auch gar nicht wissen, sondern die Vorfreude genießen und mich dann überraschen lassen. (28.11.2013)

The Counselor

Ridley Scott

Ein echter Star-Auflauf: Michael Fassbender, Brad Pitt, Cameron Diaz, Penélope Cruz, Javier Bardem und Bruno Ganz. Nun Fassbender verehre ich sehr, Regisseur Ridley Scott bleibt für mich eine Wundertüte, man darf also gespannt sein, wie sich Fassbender als Anwalt, der sich mit ein paar Drogendeals bereichern will schlägt, unterhaltsam wirds schon werden! (28.11.2013)

Inside Llewyn Davis

Ethan Coen und Joel Coen

Der Coens-Brüder neuester Streich, zwei verlässliche Filmemacher, freue mich! (05.12.2013)

Der Hobbit: Smaugs Einöde

Peter Jackson

Nach einem soliden, aber nicht euphorisch stimmenden ersten Teil, lasse ich mich gerne ein bisschen von der Vorfreude anstecken, der Trailer gefällt besser als die zum ersten Teil. In mir keimt wohl die unbegründete Hoffnung, noch einmal das erhebende Gefühl zu haben, das mich nach Die Gefährten aus dem Kino trug. (12.12.2013)

Blau ist eine warme Farbe

Abdellatif Kechiche

Die Beziehung zweier Mädchen steht im Mittelpunkt, leider noch immer eine Besonderheit im modernen Mainstream-Kino, entsprechend aufgeregt waren die Reaktionen. Ich bin ehrlich gespannt, wartet das Thema doch mit einigen Falltüren mit großer Fallhöhe auf. Zumal wenn man auf den hohen Berg der Erwartungen gestiegen ist, die der Gewinn der Palm d’Or aufgetürmt hat. Außerdem: ein Mann im Regiestuhl und zwei heterosexuelle Frauen in den Hauptrollen. Wenig überraschend war der Widerhall aus feministischen und lesbischen Kreisen nicht nur positiv. Die Autorin der literarischen Vorlage des Films Eileen Myles, zeigte sich so gar nicht angetan und twitterte sich ihren Frust von der Seele (hier). Weniger schlecht fanden ihn diese Lesben, die in einem Video die Sexzenen des Films kommentieren und auch die Kritiken waren fast durchgehend postitiv - bleibt nur eins: selbst ins Kino und sich ein eigenes, kritisches Bild machen! (19.12.2013)

Only Lovers Left Alive

Jim Jarmusch

Jim Jarmusch ist einer meiner großen Lieblinge, von Vampirgeschichten kann ich dies leider nicht sagen und diese Vampir-Ästhetik ist auch nicht die meine, aber, und hier hab ich das größte Vertrauen in den Filmemacher Jarmusch (Down by Law, Permanent Vacation, Stranger Than Paradise, Ghost Dog, Night on Earth, The Limits of Control..usw!) - es kann nur ein guter Film werden! (19.12.2013)

Und zum Schluss ein erster Blick ins kommende Jahr mit einem Film, auf den wir uns ganz besonders freuen: Her. Denn Spike Jonze (Adaptation, Being John Malkovich) und Joaquin Phoenix (The Master, I’m Still Here) können nur einen tollen Film machen:

von Lukas


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